Asbest im Kulturdenkmal Altstädter Schule entdeckt

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Fr., 26.11.2021 - 09:07

CELLE. Bereits im Frühjahr dieses Jahres sprach Stadtbaurat Ulrich Kinder von hohem Zeitdruck, unter dem man bei der Sanierung der Altstädter Schule stehe. Das denkmalgeschützte, vom prominenten Architekten des Neuen Bauens Otto Haesler konzipierte Gebäude befindet sich mittlerweile nicht mehr im Eigentum der Stadt Celle. Der Landkreis hat es erworben, doch der Vertrag sieht vor, dass das Neue Rathaus das Vorzeigeobjekt sanieren muss, damit zum Schuljahresbeginn 2023/24 die Sprachheilschule einziehen kann.

Nun steht eindeutig fest, der ausgehandelte Termin 30. Juni 2023 ist nicht zu halten. Kreisrat Frank Reimchen informierte im jüngsten Ausschuss für Klimaschutz und Gebäudewirtschaft darüber, dass im Zuge der Voruntersuchungen für die denkmalgerechte Sanierung Asbest im Innenputz gefunden worden sei. Er befindet sich gebunden in der Verkleidung, ist also während der Nutzung als Grundschule nicht in die Luft gelangt. Die Schadstoffbelastung stammt nicht aus der Zeit der ursprünglichen Errichtung in den Jahren 1926 bis 1928. „Damals verwendete man noch kein Asbest“, erläuterte der Kreisrat, „der Eintrag ist durch die Bauunterhaltung in den 1970er und 1980er Jahren entstanden.“ Ein zweites Büro sei für eine Expertise hinzugezogen worden, das zum gleichen Ergebnis wie die mit der Umgestaltung beauftragten Architekten Profs. Spital-Frenking + Schwarz gekommen ist. „Wir haben ein diffuses Schadstoffaufkommen, können kein Muster feststellen“, berichtete der Kreisrat. Die Stadt Celle habe von der Belastung nichts gewusst.

Nun muss der Putz demontiert werden. Die Kosten für diese Maßnahme belaufen sich auf bis zu 2,8 Mio Euro. Annegret Pfützner (Grüne) fragte, ob es nicht möglich sei, den Schadstoff zu verkapseln. Der Amtsleiter für zentrale Dienste und Liegenschaften, Marcel Ruthe, verneinte: „Wir müssen für die besonderen Anforderungen der Sprachheilschule z.B. Wanddurchbrüche vornehmen, um Differenzierungsräume zu schaffen. Hier würde Asbest freigesetzt werden.“

Kirsten Lühmann (SPD) erkundigte sich nach dem Stand der Fördermittelfreigabe, für die sie sich als Bundestagsabgeordnete eingesetzt hatte. „Ist der Zeitraum nicht längst überschritten, ich weiß nicht, wie viel Geduld der Deutsche Bundestag aufbringt.“ Frank Reimchen gab an dieser Stelle Entwarnung: „Wir sind hier auf einem guten Weg, die Fördermittel laufen.“ Matthias Pauls (SPD) stellte klar, die Schule dürfe kein Architekturmuseum werden, und zweifelte daran, dass die Celler Verwaltung nichts von der Belastung gewusst habe. „Sie haben ja gesagt, die Einträge stammen aus den 70er Jahren.“ Man solle sich den Aufwand in finanzieller Hinsicht mit der Stadt Celle teilen. „Wir sind mit der Stadt und auch mit der Sprachheilschule im Gespräch“, hatte der Kreisrat bereits im Vorfeld berichtet. Als Übergangslösung für die Einrichtung in Hambühren, die weichen muss, damit das Hölty dort einziehen kann, sind Container angedacht. Zum jetzigen Zeitpunkt geht man von einem halben Jahr Verzögerung aus.

Die Gesamtkosten für die Sanierung wurden auf 6,8 Mill. Euro geschätzt. Aufgrund der Preissteigerungen im Baugewerbe erhöht sich das Investitionsvolumen jedoch um 1,4 Mio. Euro.

Der Kreisrat hatte zu Beginn seiner Ausführungen keinen Hehl daraus gemacht, dass man die Altstädter Schule nur gekauft habe, weil sie Teil eines Paketes gemeinsam mit dem Gebäude der Grundschule Nadelberg war, die man unbedingt benötigte. „Wir wussten, dass das nicht optimal ist“, sagte er und fügte hinzu, dass man den Erwerb jedoch durchaus auch als Chance sehen könne: „Wir erhalten Fördermittel in guter Höhe. Das was entsteht, wird besonders sein.“ Und dann zitiert er den Celler Stadtbaurat Ulrich Kinder, der bei der Vorstellung des Umgestaltungskonzeptes gesagt hatte: „Diese Schule wird ein Traum sein.“