Ausstellung zeigt textilen Nachlass von Arno und Alice Schmidt

Kultur + Gesellschaft Von Extern | am Mi., 24.11.2021 - 17:06

CELLE. Am 4. Dezember um 18 Uhr eröffnen die Arno Schmidt Stiftung Bargfeld und das Bomann-Museum Celle die Ausstellung „Vom Wert der Kleidung. Textilien aus dem Nachlass von Arno und Alice Schmidt“

Mehr als 1.000 Objekte aus sechs Jahrzehnten vereint dieser Nachlass. Die ältesten Kleidungsstücke stammen aus den späten 1930er Jahren, die jüngsten wurden noch kurz vor dem Tod von Alice Schmidt 1983 gekauft. So zeigt die Ausstellung ein außergewöhnliches Konvolut von besonderem kulturhistorischen Wert, das Kleidungsstücke aller Art umfasst, von der Leibwäsche bis zum Wintermantel. Dabei handelt es sich entsprechend den Lebensumständen der Schmidts nicht um kostbare oder ausgefallene Einzelstücke, sondern um Alltagskleidung, die wertgeschätzt wurde – und werden musste.

Der Schriftsteller Arno Schmidt wurde am 18. Januar 1914 in Hamburg geboren und zog als Jugendlicher mit seiner Familie nach Schlesien um. 1937 heirateten Arno Schmidt und Alice Murawski (geb. 1916), die sich als Angestellte einer Textilfabrik kennengelernt hatten. 1949 erschien mit "Leviathan" Schmidts aufsehenerregendes Prosadebüt. Die politische und ästhetische Radikalität seiner Werke machte ihn in den 50er Jahren zu einem umstrittenen Autor. 1973 erhielt er den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt. Am 3.6.1979 starb Arno Schmidt in Celle.

Acht biografische Stationen berichten in der Ausstellung vom Leben des Ehepaars, von Kindheit und Jugend, den ersten Ehejahren in Schlesien, der Flucht und den darauffolgenden Wanderjahren bis zum letzten Wohnort ab 1958 im kleinen Heidedorf Bargfeld bei Celle. 

Weitere acht Stationen widmen sich dem eigentlichen „Wert“ der Kleidung. So zeugen sorgfältig geflickte, umgearbeitete oder zweitverwertete Kleidungsstücke von der Bedeutung jedes einzelnen Gegenstands für die zunächst mittellosen Flüchtlinge. Davon berichten ein aus Wolldecken genähter 

Morgenmantel, Shorts, die aus Zeltbahn gefertigt wurden oder mehrfach geänderte, der Mode angepasste Kleider. Kleiderspenden aus Amerika, geschickt von Arno Schmidts Schwester Lucy Kiesler, waren eine große Hilfe. Sie muten aber auch kurios an, wie eine rote „Pillbox“ oder farbenfrohe Krawatten, die Arno Schmidt nie trug. Später lebten Schmidts bescheiden, aber ohne wirtschaftliche Not und bestellten wie ihre Nachbarn Kleidung im Versandhandel. Dabei hatten die Kataloge auch Bedeutung für Schmidts Werke: Er nutzte die abgebildete Mode gern als Inspiration für die Bekleidung seines Romanpersonals. Den Quelle-Katalog nannte er in Zettel’s Traum ein "kulltourhistorisches Dockumännt". Einige Stücke erzählen besondere Geschichten über den Autor und seine Frau und deren Leben auf dem Land, zum Beispiel ein Pelzmantel aus der DDR oder ein Badeanzug mit Fahrtenschwimmerabzeichen.

Andere Kleidungsstücke aus Schmidts Besitz sind sogar in die Literatur eingegangen. Sie werden eindrucksvoll vor einer Medienwand präsentiert, die Text und Textilien miteinander verbindet. So zeigt die Ausstellung bisher kaum bekannte Aspekte einer denkwürdigen Biografie und 60 Jahre textile Alltagsgeschichte in Deutschland.

Die Ausstellung ist vom 5. Dezember 2021 bis zum 7. Juni 2022 zu sehen.