Geschichtswerkstatt befasst sich "Wirtschaftswunder Faßberg"

Gesellschaft Von Extern | am Mo., 07.09.2020 - 18:14

FASSBERG. Am Donnerstag, den 3. September, hatten sich ca. 80 interessierte Gäste in der Oase in Faßberg eingefunden. Damit war der große Saal coronabedingt an seiner Kapazitätsgrenze. Eike Bruns, der Archivar der Gemeinde Faßberg, zeigte auf Einladung der Geschichtswerkstatt Gemeinde Faßberg viele bisher für die meisten unbekannte Bilder, Dokumente und Texte aus der Zeit von 1933 bis 1945. 

Doris Artelt und Karin Chamberlain, von der Vorbereitungsgruppe der Geschichtswerkstatt, begrüßten die Teilnehmer erfreut und bedankten sich für das große Interesse, nicht zuletzt weil man sich im Vorfeld unsicher gewesen war, ob man in der derzeitigen Corona-Situation eine solche Veranstaltung mit vielen Teilnehmern durchführen könne. „In den 30er Jahren gab es dort, wo sich heute der Ort Faßberg und der Flugplatz befinden nur Sand und Heide.“ Und, „Faßberg wurde gebaut für den Krieg!“ so Doris Artelts zentrale Feststellungen in ihrer kurzen Begrüßungsrede.
 
Eike Bruns offerierte viele Pläne, Dokumente und Bilder über die Entstehung des Fliegerhorstes. Er lieferte den Nachweis, dass in sehr kurzer Zeit damals einer der größten Flugplätze Europas in den Heidesand gebaut wurde. Die ganze Region, von Rheinmetall in Unterlüß über Munster-Lager und Bergen-Hohne und noch viele kleine andere Orte seien aufgerüstet worden. Nach heutigen Maßstäben wurden alleine in Faßberg insgesamt fast 2,5 Milliarden Euro verbaut. Zeitweise waren hier über 6.000 Arbeitskräfte – rund um die Uhr - im Einsatz. Diese kamen natürlich nicht nur aus der Region, sondern aus dem ganzen damaligen Deutschen Reich.

Später mit dem Beginn des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 seien auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus vielen Staaten Europas in Faßberg oder im Umfeld zur Arbeit eingesetzt worden. Die großen deutschen Baufirmen, die noch heute bestehen, Hochtief, Holzmann, etc. waren dabei, aber auch die kleinen Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe aus den benachbarten Dörfern hatten gut zu tun, berichtete Bruns. Die Gastronomie, einfach alles lebte auf. Es gab ein Wirtschaftswunder - Boomtown! Eike Bruns konnte an diesem Abend nur einen kleinen Teil seiner Unterlagen und der vielen, die im Gemeindearchiv verwahrt sind, zeigen. Deshalb wird eine weitere Veranstaltung sicher bald folgen. 

Bei diesen Superlativen, die mit vielen Bildern belegt wurden, ging aber die Frage, wie sah es bei den Menschen aus, etwas verloren. Wie waren ihre Arbeits- und Lebensbedingungen? "Und - machten wirklich alle mit und „schaufelten praktisch ihr eigenes Grab?", fragen die Veranstalter. Diese wichtigen Fragen - und noch einige mehr - will die Geschichtswerkstatt behandeln. "Es gibt also noch viel zu tun. Das Thema - die Entstehung von Faßberg - ist sehr vielschichtig, so die Organisatoren der Geschichtswerkstatt.