"Ängste reduzieren und Brücken bauen" - Offener Brief von "Mitmenschen in Celle"

Gesellschaft Von Extern | am Fr., 13.11.2020 - 21:27

CELLE. In einem "Offenen Brief" wenden sich "Mitmenschen in Celle" an "Mitmenschen in Celle". Eine Gruppe mehrerer Unterzeichner hat sich Gedanken über die derzeitige Situation rund um Corona, seinen Auswirkungen und die der Maßnahmen gemacht und lädt ein, in einen offenen und konstruktiven Dialog zu treten und/oder sich der Gruppe anzuschließen.Wir geben diesen Brief wie gewohnt unzensiert und unkommentiert wieder:

Offener Brief an unsere Mitmenschen in Celle

Ein einziges Virus bestimmt seit Anfang des Jahres 2020 unseren Alltag: Lockdown, Quarantäne, Kurzarbeit, Betriebsschließungen, Social Distancing, Alltagsmasken, Top-Virologe, Zweite Welle, Impfstoff, die „neue Normalität“. Menschen in Pflegeheimen entbehren familiäre Kontakte, Kinder erleben eine vermeintlich tödliche Gefahr und leiden unter Masken, Operationen und andere medizinische Behandlungen werden nicht durchgeführt, kulturelle Veranstaltungen sind untersagt.

Der notwendige pluralistische Meinungsaustausch unter Einbeziehung vieler verschiedener Experten hat über Monate nicht stattgefunden. Inzwischen kann man auch andere und kritische Stimmen in den Medien wahrnehmen.

Menschen hegen verschiedene Wertvorstellungen und unterschiedliche Meinungen. Ist es nicht wichtig, dem anderen zuzuhören und einander mit Respekt zu begegnen? Das menschliche Zusammensein ist derzeit empfindlich gestört. Angst breitet sich aus und droht in Hass umzuschlagen. Es gibt Mitmenschen mit Angst vor dem Virus, das ihnen tödlich erscheint. Und es gibt Mitmenschen mit Angst vor den Maßnahmen, die ihnen unverhältnismäßig vorkommen.

Wo ist unsere Vernunft geblieben? Angst verursacht im Gehirn ein Durcheinander, man kann nicht mehr richtig denken und planen, die Aufmerksamkeit wird eingeengt, wodurch unsere Urteilsfähigkeit beeinträchtigt sein kann. Es ist erfreulich, dass sich immer mehr Menschen Fragen stellen und sich trauen, ihre Gedanken und Bedenken zu äußern. Gleichzeitig macht es nachdenklich, wenn Mitbürger mahnend den Zeigefinger erheben und Solidarität einfordern, wo diese aus einer anderen Perspektive vielleicht weniger gerechtfertigt ist. Das Denunziantentum hat in unserer Gesellschaft wieder Einzug erhalten. Wollen wir das wirklich?

Wir sind eine politisch unabhängige Gruppe von Mitmenschen aus Celle, die die aktuelle Situation in unserer Stadt, in Deutschland und der Welt nachdenklich macht, denn wir stehen für eine freie Gesellschaft und demokratische Strukturen. Wir beobachten eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft und treffen täglich Menschen, die sich die gleichen Fragen stellen. Wir beobachten mit Sorge, dass innerhalb eines eingeschränkten Debattenraumes Gräben in der Gesellschaft entstanden sind.

Wir wollen Sie, unsere Mitmenschen in Celle, einladen, ins Gespräch zu kommen. Im gegenseitigen Respekt unserer unterschiedlichen Ängste und Perspektiven wollen wir mehr voneinander erfahren und Unsicherheiten durch Informiertheit ersetzen. Wir sind davon überzeugt, damit zur Deeskalation beitragen zu können.

Wir, die Unterzeichnenden, wollen Ängste reduzieren und Brücken bauen. Folgen Sie bitte unserem Aufruf zum Dialog und machen Sie mit für ein besseres und menschlicheres Miteinander.

Anja Berglehner, Dr. Ingunde Bunke, Marika Burmeister, Margaret Baron, Gerald Christian, Martin Depner, Anne Delventhal, Joachim und Tanja Düwel, Constanze Ehrich, Uwe Elze, Roswitha Faßbender, Torsten Fendler, Prof. Herbert Gerl, Claudia Hacker, Susanne Herwig, Robert Heydecke, Sabine Heydecke, Bart Holkeboer, Claudia Jaspert, Sandra Kaersten, Alexander Kirsch, Sylvie Lagies, Dr. Jürgen Meissner, Brigitte Merbach-Gerl, Olaf Martens, Carmen und Dieter Otto, André Radschun, Diana Richter, Dietmar Sander, Dorit Schmid, Jurga und Christian Schridde, Marion Steinhoff, Reinhart Thomas, Frank Wenderoth, Kerstin Weule, Julia Wietfeldt, Birte und Michael Wittke

Kontakt: info@mitmenschen-in-celle.de