SoVD-Veranstaltung zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Gesellschaft Von Monika Wille | am Fr., 26.11.2021 - 15:36

WATHLINGEN. Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen hatte die Frauensprecherin des SoVD Wathlingen zu einem informativen Nachmittag eingeladen. Allein die Tatsache, dass es in unserem Land auch heutzutage noch notwendig ist, auf die prekäre Situation hinzuweisen, in der sich die betroffenen Frauen befinden, machte die Anwesenden betroffen. 

Gezeigt wurde ein vom WDR gedrehter Film, in dem Frauen erzählten, wie sich durch die Gewalt, die sie durch ihren Partner erlitten hatten, ihr gesamtes Leben veränderte. Wie sie sich immer mehr zurückzogen, um nicht innerhalb der Familie oder im Freundeskreis in Erklärungsnöte zu gelangen, wo die blauen Flecke schon wieder her seien, wie sehr sie sich ein Gerüst aus Lügen aufbauten, um die Blessuren als eigene Ungeschicklichkeit darzustellen und wie sehr vor allem auch ihre Kinder unter der Situation litten. Dazu schlich sich immer auch das Empfinden ein, vielleicht sogar selber schuld an der Gewalt zu sein und es nicht anders verdient zu haben, bis hin zur völligen Selbstaufgabe der eigenen Persönlichkeit.

Gisela Siedentop hatte mit ihrem Team die Veranstaltung sorgfältig vorbereitet und für jede Frau, die im Jahr 2020 in Deutschland  von ihrem Partner  getötet worden war, eine kleine Bischofsmütze aus Servietten gebastelt und eine Kerze für sie angezündet.

Die angekündigte Referentin, Daniela Lüllmann, war leider erkrankt, aber sie hatte ihr Manuskript gerne zur Verfügung gestellt  und der Ortsverbandsvorsitzende, Jens Meyer, sprang ein und hielt den Vortrag. In seinen einleitenden Worten wies er darauf hin, dass es in den Familien gelegentlich auch Gewalt gegen Männer gäbe, auch wenn dies  prozentual in keinem Verhältnis zu der Gewalt stehe, die Frauen häufig zu erleiden hätten.
In dem Vortrag wies Daniela Lüllmann darauf hin,  dass jede dritte Frau in ihrem Leben Gewalt erlebe, das sei völlig unabhängig von ihrer Lebenssituation, dem Ort, dem Alter, ihrem sozialen Status oder  der Herkunft.
In Krisenzeiten, wie z.B. in den Lockdownphasen der  Pandemie, sei ein erheblicher Anstieg der Zahlen zu verzeichnen.

Gemäß der kriminalstatistischen Auswertung des Bundeskriminalamtes (BKA) zu partnerschaftlicher Gewalt für das Berichtsjahr 2020 zeige sich  einen Anstieg um +4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. So gab es in dem Jahr insgesamt 148.031 Betroffene und 139 Frauen wurden 2020 durch einen Partner oder Expartner getötet. Zu jeder Stunde werden in Deutschland durchschnittlich 13 Frauen Opfer von Gewalt in ihre Partnerschaften.

Am 01. Februar 2018 ist die Istanbul-Konvention auch in Deutschland in Kraft getreten. Damit ist Deutschland auf allen staatlichen Ebenen verpflichtet, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen, Betroffenen Schutz und Unterstützung zu bieten sowie Gewalt zu verhindern. In Niedersachsen hat das Ministerium Soziales, Gesundheit und Gleichstellung unter anderem die Kampagne „Hast du das auch gehört?" gestartet. Unter dem Motto „Eine aufmerksame Nachbarschaft ist die beste Prävention" macht die Kampagne auf das „Thema häusliche Gewalt in der Nachbarschaft" aufmerksam und fasst einige grundlegende Handlungsoptionen zusammen.

Die entsprechenden Unterlagen stehen auf der Homepage des Landespräventionsrates Niedersachsen zum Download zur Verfügung. Dort werden Tipps für eine aufmerksame Nachbarschaft gegeben.
Hierzu zählen:
1. Wenn Sie das Gefühl habe, das ist nicht nur ein „normaler Streit", ignorieren Sie dies nicht seien Sie aufmerksam. Sprechen Sie mit anderen NachbarInnen darüber.
2. Sprechen Sie die betroffene Person an und fragen Sie vorsichtig nach, ob alles in Ordnung ist. Bieten Sie Hilfe an. Wichtig ist, dass sie allein mit der betroffenen Person sprechen. Lassen Sie sich nicht abschrecken, falls diese alles abstreitet.
3. Versuchen Sie akute Konfliktsituationen zu unterbrechen. Klingeln sie unter einem Vorwand und fragen z. B. nach Mehl und Eiern. Wichtig: Wenn Sie sich unsicher fühlen, rufen sie lieber gleich die Polizei.
4. Wenn es nebenan bedrohlich wird, sollten Sie nicht zögern. Rufen Sie den polizeilichen Notruf. Ihr Anruf kann Leben retten. Häusliche Gewalt geht uns alle an.
Eine aufmerksame Nachbarschaft ist die beste Prävention!“, so der Ratschlag der Referentin. Sie erläuterte, dass sie für ihren Vortrag auf Informationen des Landespräventionsrat Nds., der UN women sowie des Bundeskriminalamtes zurückgegriffen habe. 

Die 30 Teilnehmerinnen des informativen Nachmittags stimmten darin überein, künftig sorgfältiger hinzuschauen, wenn sich das Gefühl einschleiche, da könne etwas im Argen liegen und wenn möglich das Gespräch zu suchen. Auch wenn es ein sehr ernstes Thema war, dass die SoVD-Frauen miteinander erörterten, so stimmten Kaffee und Kuchen wieder versöhnlich und die selbst hergestellten Grußkarten von Damen aus dem Nachbarverband, fanden ebenfalls interessierte Abnehmerinnen.