Texttafel erläutert Geschichte der Faßberger "Hakenkreuzglocke"

Gesellschaft Von Redaktion | am Do., 25.11.2021 - 14:28

FASSBERG. Die ehemalige Glocke der Michaelkirche Faßberg, die als "Hakenkreuzglocke" bekannt wurde, bekommt eine Erläuterungstafel. Die Glocke wurde 2019 ersetzt und wird derzeit in der Kirche an einem nicht einsehbaren Ort aufbewahrt. Im Rahmen der Faßberger Geschichtswerkstatt wurde ein Text erarbeitet, der die Geschichte der Glocke, der Kirche und des gesamten Ortes Faßberg umreißt und der künftig neben der Glocke aus der Zeit des Nationalsozialismus zu lesen sein soll wenn für die Glocke ein dauerhafter Platz gefunden wurde. Die Übergabe an die Öffentlichkeit findet am Samstag, 27. November, um 11 Uhr, vor der Michaelkirche statt.

Als Mitglied der Geschichtswerkstatt Faßberg erläutert Hans-Dietrich Springhorn nochmals den Prozess, der der Veranstaltung am Samstag vorausgegangen ist:

"Am 27. November wird vor der Michaelkirche eine Informationstafel über die Geschichte des Glockentausches der Öffentlichkeit übergeben. Damit ist ein vierjähriger und anfänglich heftiger Streit- und Diskussionsprozess, in der niedersächsischen Gemeinde in der Südheide, zu einem guten Ende gekommen. Diese Auseinandersetzung fand Ende 2017 bis Anfang 2019 ein großes mediales Interesse. Nicht nur in der Region und in ganz Niedersachsen wurde über die Glocke und über Faßberg berichtet, sondern auch in den europäischen Nachbarländern gab es Schlagzeilen. 

Im Frühjahr/Sommer 2017 wurde in der Pfalz eine Lawine losgetreten. Die pensionierte Musiklehrerin und ehemalige Organistin der Jakobs-Kirche in Herxheim am Berg, Sigrid Peters, hatte öffentlich gemacht, das im Kirchturm eine Adolf Hitler Glocke läutet. In der Folge forderten einige Landeskirchen, unter ihnen auch die Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, ihre Kirchengemeinden auf, in ihren Kirchtürmen nach den „Rechten zu sehen“. Im Bereich der Hannoverschen Landeskirche wurde man in Schweringen an der Weser und in Faßberg im Spätsommer des Jahres fündig. Bis 2017 gab es keinerlei kritische Diskussionen über die Gestaltung dieser Kirchen und ihrer Glocken. Dies änderte sich nun. Die Haken kreuz-Glocken wurden abgeschaltet und es entstanden Diskussionen. In Faßberg begann eine Auseinandersetzung, als die schweigende Glocke am Bus- und Bettag 2017 wieder in Betrieb genommen wurde. Eine zehnköpfige Gruppe aus der großen Gemeinde entwickelte öffentlichen Protest und forderte die Außerbetriebsetzung. Diskutiert wurde in jeder Familie und auch in der Landeskirche spielte das Thema eine große Rolle. 

Begleitet von der medial geführten Auseinandersetzung wurde dann im Februar 2018 im Kirchenvorstand der Gemeinde der Beschluss gefasst eine neue Glocke zu gießen. Die Finanzierung übernahm die Landeskirche und im September 2019 wurden die Glocken getauscht. Parallel gab es ab Herbst 2018 einen von der Landeskirche organisierten und moderierten kirchlichen Gesprächskreis zu dem Thema "Kirche und Hakenkreuz". Mit der Inbetriebnahme der neuen Glocke entstand die Geschichtswerkstatt Gemeinde Faßberg, die sich zum Ziel gesetzt hat, diese Glockengeschichte aufzuarbeiten und darüber hinaus die ganze Geschichte der großen Gemeinde und der Region zu beleuchten – speziell und im Anfang spielt die Zeit von 1933 bis 1945 die entscheidende Rolle. In die Arbeit der Geschichtswerkstatt sind heute offizielle Vertreter der Gemeindeverwaltung und auch der örtlichen Kirche integriert. Die Gestaltung und das Aufstellen der Informationstafel ist ein erstes gemeinsames und positives Ergebnis dieser offenen und intensiven Zusammenarbeit. Dass das Projekt über ein Jahr bis zum Abschluss benötigte, ist dabei der Corona -Situation geschuldet."